Eine wissenschaftliche Untersuchung der Universitätsklinik Regensburg hat anhand bundesweiter Krankenhausdaten des InEK (Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus) ausgewertet, wie häufig das Mesotheliom des Bauchfells in Deutschland auftritt und wie die Erkrankung behandelt wird. Das Ergebnis ist ernüchternd: Nur ein kleiner Teil der Betroffenen erhält die von den Leitlinien empfohlene chirurgische Therapie.

Was ist das peritoneale Mesotheliom?

Das Mesotheliom ist der häufigste primäre bösartige Tumor des Bauchfells (Peritoneum). Laut der Regensburger Auswertung liegt die jährliche Häufigkeit in Deutschland bei durchschnittlich 0,68 pro 100.000 Einwohner. Die Erkrankung ist also selten. Im Untersuchungszeitraum 2019 bis 2024 wurden insgesamt 3.394 Patienten erfasst.

Feingeweblich werden drei Typen unterschieden:

  • Epitheloider Typ
  • Gemischter (biphasischer) Typ
  • Sarkomatöser Typ (mit sehr schlechter Prognose)

Der epitheloide und der gemischte Typ sollten primär chirurgisch behandelt werden, sofern der Allgemeinzustand des Patienten dies erlaubt.

Was die Leitlinien empfehlen

Diese Empfehlung steht seit vielen Jahren in nationalen und internationalen Leitlinien. Nach Besprechung in einer interdisziplinären Tumorkonferenz sieht die chirurgische Behandlung eine offene Operation vor, bei der der Tumorbefall entfernt und die Bauchhöhle anschließend mit einer erwärmten Chemotherapielösung gespült wird. Dieses Verfahren wird als zytoreduktive Chirurgie (CRS) mit HIPEC bezeichnet.

Für Patienten mit eingeschränktem Allgemeinzustand oder für diejenigen, die eine größere offene Operation ablehnen, gibt es seit rund 15 Jahren die PIPAC als Alternative.

Was ist die PIPAC-Therapie?

Bei der PIPAC (Pressurized IntraPeritoneal Aerosol Chemotherapy) wird ein Chemotherapeutikum minimalinvasiv als feiner Nebel direkt in die Bauchhöhle eingebracht. Durch den Druck dringt der Wirkstoff tiefer ins Tumorgewebe ein. Die Dosis ist dabei deutlich geringer als bei einer systemischen Chemotherapie, die Nebenwirkungen entsprechend geringer.

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Das Ergebnis: Nur 20 % werden operiert

Die Regensburger Studie zeigt, dass in Deutschland nur 20 % der Patienten nach der Diagnose eines peritonealen Mesothelioms überhaupt einer chirurgischen Behandlung zugeführt werden. Die große Mehrheit erhält also nicht die Therapie, die die Leitlinien als Standard empfehlen. Im Einzelnen:

  • nur 9 % erhielten eine HIPEC,
  • 15 % eine Form der Peritonektomie (operative Entfernung des befallenen Bauchfells),
  • lediglich 5 % eine PIPAC.

Da einzelne Patienten mehrere dieser Verfahren erhielten, ergibt sich insgesamt ein Anteil von 20 %. Die Autoren sprechen von einer gravierenden Diskrepanz zwischen Leitlinienempfehlung und klinischer Praxis.

Als mögliche Ursachen nennen die Autoren:

  • fehlende Kenntnis der chirurgischen Behandlungsoptionen (CRS, HIPEC, PIPAC)
  • fehlende Informationen und eine falsche Einschätzung der Ergebnisse chirurgischer Therapie
  • möglicherweise auch falsche ökonomische Anreize im Gesundheitssystem zugunsten einer reinen Chemotherapie

Die Rolle der PIPAC beim peritonealen Mesotheliom

Für die wiederholte PIPAC-Therapie wurden in Studien lange Verläufe bei guter Lebensqualität beschrieben, mit jeweils geringem operativem Aufwand und kurzem Klinikaufenthalt. Infrage kommt sie in drei Situationen:

  • wenn eine offene Operation (CRS/HIPEC) wegen eines eingeschränkten Allgemeinzustands nicht infrage kommt,
  • wenn Patienten einen größeren operativen Eingriff ablehnen,
  • wenn es nach CRS/HIPEC im weiteren Verlauf zu einem Rückfall (Rezidiv) gekommen ist.

Wer die Diagnose peritoneales Mesotheliom erhält, sollte deshalb die chirurgischen Optionen in einem spezialisierten Zentrum prüfen lassen, bevor ausschließlich auf eine systemische Chemotherapie gesetzt wird.

Originalpublikation Müller V, Hornung M, Werner J, Schlitt HJ, Acs M. Underutilization of CRS, HIPEC & PIPAC in peritoneal mesothelioma across a German nationwide cohort. World J Surg Oncol 2026;24:97

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Am Deutschen PIPAC-Zentrum beraten wir Patienten und Angehörige zu den Behandlungsmöglichkeiten bei Bauchfellkrebs, auch zu der Frage, ob CRS/HIPEC oder PIPAC in Ihrer Situation infrage kommt.

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