Häufige Fragen

Antworten auf die wichtigsten Fragen zur PIPAC-Therapie und zu Bauchfellerkrankungen – verständlich erklärt und wissenschaftlich belegt.

Ihre Fragen – unsere Antworten

Eine Krebsdiagnose wirft viele Fragen auf. Hier finden Sie verständliche Antworten rund um die PIPAC-Therapie, Bauchfellkrebs und den Ablauf einer Behandlung. Die Angaben stützen sich auf wissenschaftliche Veröffentlichungen, an denen unser Zentrum vielfach selbst beteiligt war – eine vollständige Übersicht finden Sie unter Wissenschaft & Forschung.

Grundlagen der PIPAC-Therapie

PIPAC steht für Pressurized IntraPeritoneal Aerosol Chemotherapy – auf Deutsch etwa „druckbasierte Chemotherapie als Aerosol in der Bauchhöhle". Dabei wird ein Chemotherapie-Medikament während einer kurzen Bauchspiegelung als feiner Sprühnebel unter Druck direkt in den Bauchraum gegeben. Der feine Nebel verteilt sich gleichmäßig auf dem Bauchfell und kann besser in das Tumorgewebe eindringen als eine Chemotherapie, die als Flüssigkeit in den Bauch gefüllt wird.

Das Verfahren wurde ab 2011 klinisch eingeführt; die erste wissenschaftliche Wirksamkeitsbestätigung stammt von Solass und Kollegen (Annals of Surgical Oncology, 2013).

Jeder Bestandteil des Namens beschreibt ein Merkmal der Behandlung:

  • Pressurized (unter Druck) – das Medikament wird mit Überdruck eingebracht, damit es sich gleichmäßig verteilt und tiefer eindringt.
  • IntraPeritoneal (in die Bauchhöhle) – die Chemotherapie wirkt direkt dort, wo sich die Tumorzellen befinden.
  • Aerosol – das Medikament wird zu einem feinen Sprühnebel vernebelt statt als Flüssigkeit gegeben.
  • Chemotherapy – es handelt sich um ein zellwachstumshemmendes Medikament.

Bei der klassischen Chemotherapie wird das Medikament über eine Infusion in die Blutbahn gegeben und verteilt sich im ganzen Körper. Das Bauchfell wird dabei nur schlecht erreicht, während der gesamte Körper belastet wird.

Bei PIPAC gelangt das Medikament direkt und gezielt an das erkrankte Bauchfell. Dadurch lässt sich am Tumor eine hohe Wirkstoffkonzentration erreichen, während die Belastung für den übrigen Körper deutlich geringer ausfällt. Untersuchungen zur Gewebeverteilung zeigen, dass der vernebelte Wirkstoff das Bauchfell erreicht und in das Gewebe eindringt (Khosrawipour et al., Annals of Surgical Oncology, 2015).

In der Regel nicht. PIPAC ist meist eine Ergänzung und lässt sich gut mit einer systemischen Chemotherapie oder anderen Behandlungen kombinieren. Ziel ist ein Gesamtkonzept, das auf Ihre persönliche Situation abgestimmt wird. Was in Ihrem Fall sinnvoll ist, besprechen die behandelnden Ärztinnen und Ärzte individuell mit Ihnen.

PIPAC 2.0 ist eine Weiterentwicklung des Verfahrens, an der Prof. Dr. Jürgen Zieren maßgeblich beteiligt ist. Sie umfasst eine optimierte Dosierung, eine verbesserte Düsentechnologie für eine gleichmäßigere Verteilung sowie eine genauere Druck- und Temperatursteuerung. Erste klinische Daten zu höher dosierten Varianten (HP/HD-PIPAC) wurden von Ramos Arias und Kollegen veröffentlicht (Annals of Surgical Oncology, 2023). Ausführliche Informationen finden Sie auf unserer Seite Wissenschaft & Forschung.

Ablauf der Behandlung

Die Behandlung erfolgt in Vollnarkose im Rahmen einer Bauchspiegelung (Laparoskopie). Über zwei kleine Schnitte werden dünne Instrumente in den Bauchraum eingeführt. Anschließend wird das Chemotherapie-Aerosol über eine spezielle Düse für einige Minuten unter Druck versprüht und wirkt danach kurz ein. Danach wird das Aerosol vollständig und sicher über ein geschlossenes System abgesaugt und die kleinen Schnitte werden verschlossen.

Der eigentliche Eingriff dauert in der Regel etwa 30 bis 60 Minuten. Hinzu kommen Vorbereitung, Narkose und die Überwachung im Aufwachraum. PIPAC gilt als minimal-invasiver, schonender Eingriff.

PIPAC wird üblicherweise in mehreren Zyklen durchgeführt, typischerweise im Abstand von etwa sechs Wochen. Viele Behandlungskonzepte sehen drei oder mehr Sitzungen vor, um die Wirkung beurteilen und den Verlauf verfolgen zu können. Die genaue Anzahl richtet sich nach dem Ansprechen und Ihrem Befinden und wird individuell festgelegt.

Weil PIPAC minimal-invasiv ist, ist der Krankenhausaufenthalt meist kurz – oft nur wenige Tage. Die genaue Dauer hängt von Ihrem Allgemeinzustand und dem Verlauf ab und wird vom behandelnden Team festgelegt.

Ja. PIPAC lässt sich gut in ein Gesamtkonzept einbinden und mit einer systemischen Chemotherapie oder – je nach Situation – mit einer Operation kombinieren. Der internationale Fachkonsens (Tozzi et al., European Journal of Surgical Oncology, 2024) beschreibt, wie Patientinnen und Patienten für PIPAC ausgewählt und Therapien sinnvoll kombiniert werden.

Wirksamkeit und Ergebnisse

PIPAC kommt bei Tumoren infrage, die das Bauchfell befallen haben (Peritonealkarzinose). Dazu gehören insbesondere:

PIPAC ist in den meisten Fällen keine heilende, sondern eine tumorkontrollierende Behandlung. Das Ziel ist, das Tumorwachstum zu bremsen, Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu erhalten oder zu verbessern. Bei einigen Patientinnen und Patienten kann durch die Behandlung ein Rückgang der Tumorlast erreicht werden. Was in Ihrem individuellen Fall realistisch ist, klären wir in einem persönlichen Gespräch.

Studien zeigen, dass PIPAC bei einem Teil der Behandelten zu einem Ansprechen des Tumors am Bauchfell führen kann. Eine frühe Phase-2-Studie bei wiederkehrendem Eierstockkrebs beobachtete bei mehreren Patientinnen ein Ansprechen (Tempfer et al., Gynecologic Oncology, 2015). Ein systematischer Übersichtsartikel fasst die klinischen und experimentellen Belege zusammen (Tempfer et al., Archives of Gynecology and Obstetrics, 2018). Wichtig: Die Ergebnisse sind individuell verschieden, und PIPAC ist Teil eines Gesamtkonzepts.

Ein wesentliches Ziel von PIPAC ist der Erhalt der Lebensqualität. Eine Untersuchung bei Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittener Bauchfellmetastasierung zeigte, dass die Lebensqualität unter der Behandlung weitgehend stabil blieb (Odendahl et al., European Journal of Surgical Oncology, 2015). Der schonende, minimal-invasive Charakter des Eingriffs trägt dazu bei.

Sicherheit und Nebenwirkungen

Da nur eine niedrige Medikamentendosis eingesetzt wird und der Wirkstoff überwiegend lokal wirkt, sind schwere Nebenwirkungen im Vergleich zur systemischen Chemotherapie seltener. Möglich sind vor allem Bauchschmerzen nach dem Eingriff, Übelkeit oder vorübergehende Müdigkeit. Wie bei jeder Operation bestehen zudem allgemeine Eingriffs- und Narkoserisiken. Ihr Behandlungsteam klärt Sie vorab ausführlich auf.

PIPAC gilt als gut verträglich und sicher, wenn es in erfahrenen Zentren durchgeführt wird. Erfahrungen aus einer Serie von über 1.200 Eingriffen beschreiben, wie sich der Eingriff technisch sicher durchführen lässt (Giger-Pabst & Tempfer, Journal of Gastrointestinal Surgery, 2018). Untersuchungen zur Nieren- und Leberverträglichkeit fanden keine relevante Organschädigung durch die Behandlung (Blanco et al., Annals of Surgical Oncology, 2013).

Nein. Die Sicherheit für das Behandlungsteam wurde eigens untersucht. Während das Aerosol wirkt, ist der Operationssaal geschlossen und niemand befindet sich im Raum; das System wird vollständig abgesaugt. Arbeitssicherheitsstudien bestätigen, dass bei korrekter Durchführung keine relevante Belastung für das Personal entsteht (Solass et al., Annals of Surgical Oncology, 2013; Oyais et al., Zentralblatt für Chirurgie, 2016).

Voraussetzungen und Eignung

PIPAC richtet sich an Menschen mit einem Tumorbefall des Bauchfells, bei denen eine Operation zur vollständigen Entfernung nicht (mehr) möglich ist oder die von einer zusätzlichen lokalen Behandlung profitieren können. Ob PIPAC für Sie geeignet ist, hängt von der Tumorart, dem Ausmaß der Erkrankung und Ihrem Allgemeinzustand ab. Ein internationaler Fachkonsens beschreibt Kriterien zur Auswahl geeigneter Patientinnen und Patienten (Tozzi et al., European Journal of Surgical Oncology, 2024).

In bestimmten Situationen ist PIPAC nicht sinnvoll – etwa bei ausgeprägten Verwachsungen im Bauchraum, einem Darmverschluss oder einem stark reduzierten Allgemeinzustand, der eine Narkose nicht zulässt. Die Eignung wird immer individuell geprüft. Deshalb ist ein persönliches Gespräch und eine sorgfältige Untersuchung entscheidend.

Eine feste Altersgrenze gibt es nicht. Entscheidend ist der Allgemeinzustand, nicht das kalendarische Alter. PIPAC wurde beispielsweise auch erfolgreich bei einer über 80-jährigen Patientin eingesetzt (Giger-Pabst et al., Anticancer Research, 2015). Ob eine Behandlung für Sie infrage kommt, klären wir individuell.

Bauchfellkrebs und Peritonealkarzinose

Als Peritonealkarzinose bezeichnet man die Ausbreitung von Krebszellen auf dem Bauchfell (Peritoneum) – der dünnen Haut, die den Bauchraum auskleidet und die inneren Organe umhüllt. Sie entsteht meist, wenn sich Krebszellen aus anderen Organen wie Magen, Darm, Eierstock oder Bauchspeicheldrüse lösen und sich im Bauchraum ansiedeln. Mehr dazu auf unserer Seite Informationen & Beratung.

Im frühen Stadium bestehen oft keine oder nur unspezifische Beschwerden. Im Verlauf können auftreten: unklare Bauchschmerzen oder Druckgefühl, Blähungen und Völlegefühl, Übelkeit und Verdauungsprobleme, ungewollter Gewichtsverlust, eine Zunahme des Bauchumfangs durch Flüssigkeit im Bauch (Aszites) sowie allgemeine Schwäche. Da diese Beschwerden viele Ursachen haben können, ist eine ärztliche Abklärung wichtig.

Aszites ist eine Ansammlung von Flüssigkeit im Bauchraum, die bei Bauchfellkrebs häufig auftritt und zu einem zunehmenden Bauchumfang und Druckgefühl führt. Eine lokale Behandlung wie PIPAC kann in manchen Fällen dazu beitragen, die Bildung von Bauchwasser zu verringern und dadurch Beschwerden zu lindern. Ob dies in Ihrem Fall zu erwarten ist, besprechen die behandelnden Ärztinnen und Ärzte mit Ihnen.

Zur Diagnose kommen bildgebende Verfahren (Ultraschall, CT, MRT), Blutuntersuchungen und vor allem die Bauchspiegelung (Laparoskopie) zum Einsatz. Bei der Bauchspiegelung kann das Bauchfell direkt betrachtet und eine Gewebeprobe entnommen werden – die anschließende feingewebliche Untersuchung liefert die sichere Diagnose. Sie gilt als Goldstandard.

Organisatorisches

Die Kostenübernahme hängt vom Einzelfall, der Erkrankung und dem jeweiligen Behandlungskonzept ab. In vielen Fällen werden die Kosten übernommen; in anderen ist eine vorherige Abklärung mit der Krankenkasse erforderlich. Wir unterstützen Sie gern dabei, die notwendigen Schritte zu klären. Nehmen Sie dazu einfach Kontakt mit uns auf.

Am einfachsten über unser Kontaktformular oder per E-Mail. Das Deutsche PIPAC-Zentrum berät Sie persönlich, unterstützt bei der Suche nach einer geeigneten Klinik und hilft, einen Termin zu vereinbaren. Auch Angehörige sind willkommen. Details finden Sie unter Informationen & Beratung.

Selbstverständlich. Eine Zweitmeinung ist bei einer Krebserkrankung sinnvoll und Ihr gutes Recht. Wir nehmen uns Zeit, Ihre Befunde zu sichten und Ihre Fragen zu beantworten – unabhängig davon, wo Sie bisher behandelt wurden.

Ja. Das Deutsche PIPAC-Zentrum wird auch von internationalen Patientinnen und Patienten kontaktiert. Sprechen Sie uns an – wir klären gemeinsam die organisatorischen Fragen und den möglichen Ablauf.

Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen kein persönliches ärztliches Gespräch. Jede Behandlung wird individuell auf Ihre Situation abgestimmt.

Ihre Frage war nicht dabei?

Wir nehmen uns Zeit für Ihre persönlichen Fragen. Schreiben Sie uns über das Kontaktformular oder per E-Mail – gemeinsam finden wir den passenden Weg für Ihre Situation.

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