Das Team vom Deutschen PIPAC-Zentrum hat am international besuchten dreitägigen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) in Leipzig teilgenommen. Der gesamte Kongress war wie gewohnt hervorragend organisiert und mit hochrangigen Vortragenden aus aktuellen Forschungsgebieten der Chirurgie besetzt.
Aus Sicht des Deutschen PIPAC-Zentrums waren insbesondere zwei Themenschwerpunkte von besonderer Bedeutung: die Vorträge zur Peritonealkarzinose sowie zur Künstlichen Intelligenz in der modernen Medizin und Chirurgie.
Schwerpunkt Peritonealkarzinose – Vier Vorträge mit wegweisenden Erkenntnissen
Eine ganze Sitzung widmete sich mit vier Fachvorträgen dem Thema Peritonealkarzinose – ein Bereich, der für das Deutsche PIPAC-Zentrum von zentraler Bedeutung ist.
Zytoreduktive Chirurgie und HIPEC beim Dickdarmkrebs
In einem ersten Vortrag aus der Charité wurden aktuelle Ergebnisse der sogenannten zytoreduktiven Chirurgie und HIPEC vorgestellt – also der offenen Entfernung der Peritonealkarzinose mit anschließender Spülung der Bauchhöhle mit erwärmter Chemotherapie. Trotz zahlreicher internationaler Studien bleiben nach wie vor viele Fragen zur Indikationsstellung sowie zu den verwendeten Chemotherapeutika offen und ungeklärt.
Immer wieder wurde betont, dass die Indikation zur zytoreduktiven Chirurgie und HIPEC schwierig ist und bevorzugt in zertifizierten Zentren durchgeführt werden sollte. Nur dort, wo neben der operativen Expertise auch die perioperative Therapie standardisiert auf hohem Niveau durchgeführt wird, besteht die Möglichkeit, bei den ohnehin langwierigen und anspruchsvollen Operationen gute postoperative Ergebnisse zu erzielen und den erhofften Überlebenszeitgewinn zu ermöglichen.
Aktuell werden weltweit zahlreiche weitere internationale Studien durchgeführt, um verschiedene Aspekte zum Thema Peritonealkarzinose und HIPEC zu erforschen.
Lebensqualität: PIPAC vs. CRS/HIPEC
Ein weiterer Vortrag widmete sich der Frage, welche Einschränkungen Patienten zum einen nach der großen offenen Tumoroperation (CRS/HIPEC) sowie nach der minimalinvasiven PIPAC-Therapie zu erwarten haben. Vorausgesetzt werden muss, dass bei beiden Verfahren völlig unterschiedliche Behandlungsansätze vorliegen: Die PIPAC stellt ein rein palliatives – also nicht heilendes, sondern linderndes – Behandlungskonzept dar.
Allerdings zeigte die Untersuchung eindeutig, dass die PIPAC hervorragend vertragen wird. Sie wird in der Regel dreimal im Abstand von sechs Wochen durchgeführt, verursacht nur sehr kurze und geringe Einschränkungen und trägt im Verlauf sogar zu einer Verbesserung der Lebensqualität bei.
Ganz anders die Ergebnisse nach der CRS/HIPEC: Hier kann im günstigsten Fall erst nach sechs Monaten das Niveau der Lebensqualität vor dem Eingriff erreicht werden.
Hinweis: Diese Daten beziehen sich auf die Standard-PIPAC-Therapie und nicht auf die PIPAC 2.0 des Deutschen PIPAC-Zentrums. Dennoch unterstreichen auch diese Ergebnisse unsere langjährige Erfahrung und zeigen ganz eindeutig die besondere Bedeutung und den Stellenwert der PIPAC-Therapie in der Behandlung der Peritonealkarzinose.
Aktuelle klinische Studien zur PIPAC-Therapie weltweit
Ein weiterer Vortrag stellte die aktuell laufenden klinischen Studien zur PIPAC-Therapie weltweit vor. Zusammengefasst wird die PIPAC-Therapie aktuell bei sehr vielen unterschiedlichen Indikationen und bei vielfältigen unterschiedlichen Primärtumoren eingesetzt.
Besonders interessant ist ein neuer Studienansatz: Die sogenannte prophylaktische PIPAC-Therapie. In Fällen mit hohem Risiko für die Entstehung von Bauchfellmetastasen – beispielsweise durch einen aggressiven Primärtumor oder einen Tumordurchbruch im Primärorgan – wird die PIPAC-Therapie zeitnah nach der primären Krebsoperation durchgeführt, konkret drei, sechs und neun Monate nach der Primärtumoroperation.
Erste Zwischenergebnisse sind vielversprechend: Durch die PIPAC-Therapie konnte viel früher als durch jedes andere Untersuchungsverfahren Bauchfellkrebs festgestellt und in einem sehr frühen Stadium bereits durch die intraperitoneale Chemotherapie behandelt werden. Hier sind zukünftig weitere sinnvolle Indikationen für die PIPAC-Therapie zu erwarten.
Ebenfalls bemerkenswert war, dass in einigen Studien bei bis zu 20 % der Patienten, die eine PIPAC-Therapie aus palliativer Intention erhalten hatten, im Behandlungsverlauf festgestellt wurde, dass sie für eine offene komplette Tumoroperation (CRS/HIPEC) geeignet waren. Auch dies war nur durch die wiederholte Bauchspiegelung und Chemoverneblung möglich. In einem vorgestellten Behandlungsfall war eine Patientin bei fortgeschrittenem Magenkrebs über einen längeren Zeitraum durch diese Behandlung krebsfrei.
Roboterchirurgie und HIPEC
Zum Schluss stellte ein Vortrag auch die Möglichkeit von Roboteroperationen in Kombination mit HIPEC vor, sofern der Bauchfellbefall tatsächlich nur auf das äußere Bauchfell begrenzt und sehr limitiert war. Die Vorteile der Operation in Robotertechnik werden in diesem Zusammenhang allerdings aktuell noch als sehr gering bewertet.
Künstliche Intelligenz in der Medizin und Chirurgie
Eine weitere Sitzung befasste sich auf wissenschaftlichem Niveau mit der künstlichen Intelligenz in der Medizin und speziell in der Chirurgie.
Im technischen Zusammenspiel mit minimalinvasiven Schlüssellochoperationen bietet KI auch in Kombination mit der Robotertechnik zukünftig viele Perspektiven – beispielsweise in der navigierten Chirurgie, also der gezielten Entfernung von Tumorgewebe aus Organen.
Was den reinen Informationsbereich betrifft – auch für die eigene Recherche von Patienten – wurde KI zwar als informativ, aber durchaus auch kritisch bewertet. Der Grund: In KI-Systemen werden ungefiltert alle im Internet verfügbaren Informationen zusammengefasst und weitergegeben.
Gerade bei sensiblen Informationsgesprächen zu einer Krebsbehandlung wurde daher die hohe Bedeutung eines persönlichen Beratungsgesprächs in spezialisierten Zentren durch erfahrene Chirurgen ausdrücklich empfohlen.
Unser Fazit
Der Kongress hat einmal mehr bestätigt, wie dynamisch sich das Feld der Peritonealkarzinose-Behandlung entwickelt. Insbesondere die neuen Studienansätze zur prophylaktischen PIPAC zeigen, dass die Methode noch erhebliches Potenzial für weitere Einsatzgebiete hat. Wir werden die Entwicklungen weiter aufmerksam verfolgen und unsere Patienten über alle relevanten Fortschritte informieren.
Sie haben Fragen zur PIPAC-Therapie?
Wir beraten Sie persönlich und individuell – sprechen Sie uns an.
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