Wenn bei einer Operation wegen fortgeschrittenem Eierstockkrebs nicht der gesamte Tumor entfernt werden kann, ist die Prognose für die betroffenen Patientinnen oft ungünstig. Eine aktuell im renommierten Fachjournal BMC Cancer erschienene randomisierte Phase-II-Studie (PIPAC-OVA) liefert nun wissenschaftlich belastbare Belege dafür, dass eine zusätzliche PIPAC-Therapie in genau dieser schwierigen Situation das Überleben deutlich verlängert – und dabei die Lebensqualität spürbar verbessert.

Hintergrund: Wenn nicht der gesamte Tumor entfernt werden kann

Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) wird häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt, in dem sich der Tumor bereits auf das Bauchfell (Peritoneum) ausgebreitet hat. Ziel der Operation ist es, möglichst sämtliche sichtbaren Tumoranteile zu entfernen (vollständige Zytoreduktion). Gelingt dies nicht – spricht man von einer inkompletten bzw. suboptimalen Zytoreduktion – verbleiben mikroskopische oder kleine Tumorreste in der Bauchhöhle.

Genau diese verbliebenen Tumorreste sind der Ausgangspunkt für einen späteren Rückfall. Die anschließende intravenöse Standard-Chemotherapie erreicht das Bauchfell nur eingeschränkt, sodass für diese Patientinnen bislang wenige Möglichkeiten bestanden, das Rückfallrisiko gezielt zu senken.

Was ist die PIPAC-Therapie?

Bei der PIPAC (Pressurized IntraPeritoneal Aerosol Chemotherapy) wird ein Chemotherapeutikum minimalinvasiv als feiner Nebel direkt in die Bauchhöhle eingebracht. Durch den gezielten Druck dringt der Wirkstoff tief ins Tumorgewebe ein – bei deutlich geringerer Dosierung und weniger Nebenwirkungen als bei einer systemischen Chemotherapie.

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Die Studie: Standard-Chemotherapie mit und ohne zusätzliche PIPAC

Ein Forscherteam um Dzasokhov AS et al. hat in der randomisierten Phase-II-Studie PIPAC-OVA untersucht, ob eine zusätzliche PIPAC-Therapie nach inkompletter Tumorentfernung einen Vorteil bringt. Die Ergebnisse wurden 2026 in der Fachzeitschrift BMC Cancer veröffentlicht.

Alle teilnehmenden Patientinnen hatten zuvor eine Operation wegen fortgeschrittenem Eierstockkrebs mit inkompletter Tumorentfernung erhalten. Sie wurden per Zufallszuteilung einer von zwei Behandlungsgruppen zugeordnet:

  • Kontrollgruppe (Standard): 6 Zyklen der etablierten Standard-Chemotherapie (Carboplatin / Paclitaxel)
  • PIPAC-Gruppe: Dieselbe Standard-Chemotherapie plus zusätzlich 3 Zyklen PIPAC-Therapie

Als Wirksamkeitskriterien erfasste die Studie unter anderem das rückfallfreie Überleben (die Zeitdauer bis zum Auftreten eines erneuten Tumorwachstums), das Gesamtüberleben sowie das Auftreten von krankhaftem Bauchwasser (Aszites) und die auftretenden Nebenwirkungen.

Die Ergebnisse: Mehr Zeit, weniger Aszites

Die Studie zeigt einen klaren Vorteil für die Patientinnen mit zusätzlicher PIPAC-Therapie – sowohl beim Überleben als auch bei der Lebensqualität.

Messgröße Standard-Chemo + PIPAC Standard-Chemo (Kontrolle)
Rückfallfreies Überleben 7 Monate länger Referenz
Gesamtüberleben 6 Monate länger Referenz
Vermeidung von krankhaftem Bauchwasser (Aszites) in 98,8 % der Fälle deutlich häufiger Aszites

Die zusätzliche PIPAC-Therapie verlängerte die Zeit bis zum Auftreten eines Rückfalls um 7 Monate und das Gesamtüberleben um 6 Monate – beide Unterschiede waren statistisch signifikant. Besonders eindrucksvoll: Bei 98,8 % der Patientinnen in der PIPAC-Gruppe konnte das Auftreten von krankhaftem Bauchwasser (Aszites) vermieden werden. Aszites ist eine der belastendsten Begleiterscheinungen des fortgeschrittenen Bauchfellbefalls – seine Vermeidung verbessert die Lebensqualität der Betroffenen erheblich.

„Gerade die Patientinnen, bei denen wir den Tumor nicht vollständig entfernen können, brauchen jede zusätzliche wirksame Option. Diese Studie zeigt randomisiert-kontrolliert, dass die PIPAC genau dort ansetzt, wo die systemische Chemotherapie an ihre Grenzen stößt – direkt am Bauchfell." Prof. Dr. med. Jürgen Zieren, Deutsches PIPAC-Zentrum

Bedeutung für Patientinnen: Eine wirksame Ergänzung der Standardtherapie

Die Ergebnisse der PIPAC-OVA-Studie sind für Patientinnen mit fortgeschrittenem Eierstockkrebs und inkompletter Tumorentfernung von großer Bedeutung. Sie zeigen, dass die PIPAC nicht nur in der Rückfallsituation, sondern auch ergänzend zur Standardtherapie (adjuvant) einen messbaren klinischen Mehrwert bietet: mehr rückfallfreie Zeit, längeres Gesamtüberleben und eine deutlich bessere Lebensqualität durch die Vermeidung von Aszites.

Am Deutschen PIPAC-Zentrum setzen wir die PIPAC-Therapie seit Jahren erfolgreich ein – und sehen täglich, welchen Unterschied sie gerade für Patientinnen in dieser anspruchsvollen Behandlungssituation machen kann.

Ausblick: Hohe wissenschaftliche Beweiskraft, weitere Studien folgen

Zusammenfassend belegt die PIPAC-OVA-Studie mit hoher wissenschaftlicher Beweiskraft die hervorragende Wirksamkeit der PIPAC-Therapie beim in die Bauchhöhle gestreuten Eierstockkrebs nach inkompletter Tumorentfernung. Sie reiht sich ein in eine wachsende Zahl randomisiert-kontrollierter Studien, die den Stellenwert der PIPAC-Therapie wissenschaftlich untermauern – ein wichtiger Schritt von der vielversprechenden Innovation zur evidenzbasiert gesicherten Therapieoption.

Originalpublikation Dzasokhov AS, Khomyakov VM, Turiev AV, Astashov VL, Kostin AA, Gunyakov SO, Andreeva MA. Adjuvant pressurized intraperitoneal aerosol chemotherapy (PIPAC) in suboptimally cytoreduced advanced ovarian cancer: a randomized phase II trial (PIPAC-OVA). BMC Cancer (2026). doi:10.1186/s12885-026-16285-8

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Am Deutschen PIPAC-Zentrum beraten wir Patientinnen und Angehörige individuell und ausführlich zu den Behandlungsmöglichkeiten bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs und Bauchfellbefall. Prof. Dr. Zieren und sein Team nehmen sich persönlich Zeit für Ihr Anliegen – einfühlsam, kompetent und stets auf dem neuesten Stand der Wissenschaft.

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