Für Patientinnen mit einem Rückfall ihres Eierstockkrebses, der sich als Bauchfellkrebs (Peritonealkarzinose) manifestiert und bei dem die Standard-Platintherapie nicht mehr wirkt, gab es bislang kaum wirksame Behandlungsoptionen. Eine hochwertige aktuelle Studie aus Indien liefert nun erstmals wissenschaftlich belastbare Belege dafür, dass die PIPAC-Therapie in dieser schwierigen Situation deutlich bessere Ergebnisse erzielt als eine erneute Chemotherapie – und das bei deutlich weniger Nebenwirkungen.
Hintergrund: Wenn die Standardtherapie an ihre Grenzen stößt
Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) zählt zu den häufigsten gynäkologischen Krebserkrankungen. Viele Patientinnen entwickeln im Verlauf ihrer Erkrankung Bauchfellmetastasen (Peritonealkarzinose) – eine Ausbreitung des Tumors auf das Bauchfell, die mit herkömmlichen systemischen Therapien nur schwer zu erreichen ist.
Besonders schwierig wird die Situation, wenn die sogenannte Platinresistenz eintritt: Der Körper spricht nicht mehr auf den Standardwirkstoff Platin an, der bislang als Basis der Erstlinientherapie gilt. In dieser Lage sind die verbleibenden Behandlungsoptionen begrenzt – und die Prognose für die Patientinnen oft düster.
Was ist die PIPAC-Therapie?
Bei der PIPAC (Pressurized IntraPeritoneal Aerosol Chemotherapy) wird ein Chemotherapeutikum minimalinvasiv als feiner Nebel direkt in die Bauchhöhle eingebracht. Durch den gezielten Druck dringt der Wirkstoff tief ins Tumorgewebe ein – bei deutlich geringerer Dosierung und weniger Nebenwirkungen als bei einer systemischen Chemotherapie.
Die Studie: PIPAC versus systemische Chemotherapie im direkten Vergleich
Wissenschaftler um Kumar SP et al. haben in einer aktuellen randomisierten kontrollierten Studie – der höchsten Evidenzstufe in der medizinischen Forschung – erstmals die PIPAC-Therapie direkt mit einer weiteren intravenösen Chemotherapie verglichen. Die Ergebnisse wurden 2026 im renommierten Indian Journal of Surgical Oncology veröffentlicht.
An der Studie nahmen 80 Patientinnen mit inoperablen Bauchfellmetastasen bei platinresistentem Eierstockkrebs teil. Per Zufallszuteilung wurden jeweils 40 Patientinnen einer der beiden Behandlungsgruppen zugeordnet:
- PIPAC-Gruppe: Drei PIPAC-Behandlungen im Abstand von jeweils 6 Wochen nach dem etablierten Standardprotokoll
- Kontrollgruppe: Eine neue intravenöse Chemotherapie ohne den Wirkstoff Platin
Beide Gruppen waren hinsichtlich allgemeiner Patientenparameter gut vergleichbar. Der primäre Endpunkt der Studie war die sogenannte objektive Ansprechrate (ORR) – also das in der Computertomografie und anderen bildgebenden Verfahren messbare Ansprechen des Tumors auf die jeweilige Behandlung. Ergänzend wurden die Lebensqualität (anhand standardisierter Fragebögen) sowie Nebenwirkungen und Komplikationen erfasst.
Die Ergebnisse: PIPAC überzeugt in allen Kategorien
Die Zwischenanalyse der Studie zeigt ein eindeutiges Bild: Die PIPAC-Therapie war der systemischen Chemotherapie in allen untersuchten Parametern statistisch signifikant überlegen.
Besonders bemerkenswert ist ein weiterer Befund: Bei Gewebeproben der PIPAC-Gruppe zeigten sich in 60 % der Fälle histologisch nachweisbare Tumorzelluntergänge und Vernarbungen von Tumorknoten – ein eindrucksvolles Zeichen für die direkte antitumorale Wirksamkeit der Methode auf zellulärer Ebene.
„Diese Studie ist ein Meilenstein. Sie belegt erstmals auch randomisiert-kontrolliert, was wir in der klinischen Praxis täglich erleben: Die PIPAC-Therapie erreicht Tumorzellen direkt am Ort des Geschehens – mit einer Wirksamkeit, die eine systemische Chemotherapie in dieser Situation nicht erzielen kann." Prof. Dr. med. Jürgen Zieren, Deutsches PIPAC-Zentrum
Bedeutung für Patientinnen: Hoffnung in einer ausweglosen Situation
Die Ergebnisse dieser Studie sind für Patientinnen mit platinresistentem Eierstockkrebs und Bauchfellmetastasen von erheblicher Bedeutung. Bislang galt diese Situation als therapeutische Sackgasse – die vorliegenden Daten zeigen, dass PIPAC hier einen echten klinischen Mehrwert bietet: mehr Wirksamkeit, bessere Lebensqualität und deutlich weniger Nebenwirkungen.
Die Studie bestätigt damit nicht nur die wissenschaftliche Grundlage der PIPAC-Therapie, sondern gibt auch den zahlreichen positiven Erfahrungen aus dem klinischen Alltag eine solide wissenschaftliche Grundlage. Am Deutschen PIPAC-Zentrum setzen wir die Methode seit Jahren erfolgreich ein – und sehen täglich, welchen Unterschied sie für Patientinnen in genau dieser Situation machen kann.
Ausblick: Weitere Studien dringend erforderlich
Trotz der überzeugenden Ergebnisse handelt es sich bei der vorliegenden Veröffentlichung um eine Zwischenanalyse. Die abschließenden Daten der vollständigen Studie werden die Befunde weiter erhärten. Darüber hinaus zeigt diese Studie, dass randomisiert-kontrollierte Studien zum Stellenwert der PIPAC-Therapie auch bei anderen Krebsarten dringend erforderlich und realisierbar sind. Die PIPAC-Forschung steht an einem wichtigen Wendepunkt – von der vielversprechenden Innovation zur evidenzbasiert gesicherten Therapieoption.
Sie haben Fragen zur PIPAC-Therapie bei Eierstockkrebs?
Am Deutschen PIPAC-Zentrum beraten wir Patientinnen und Angehörige individuell und ausführlich zu den Behandlungsmöglichkeiten bei Bauchfellkrebs durch Eierstockkrebs. Prof. Dr. Zieren und sein Team nehmen sich persönlich Zeit für Ihr Anliegen – einfühlsam, kompetent und stets auf dem neuesten Stand der Wissenschaft.
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Lassen Sie sich unverbindlich zu den Möglichkeiten der PIPAC-Therapie beraten. Wir sind für Sie da.